Steinblog

„Jeder ist ein Mensch, jeder hat Rechte.“

Am 18. Juni 2026 kam Eva Weyl, eine Zeitzeugin des Nationalsozialismus zu uns an das Freiherr-vom-Stein Gymnasium, um in der Jahrgangsstufe neun einen Vortrag über ihre Geschichte zu geben. Eva Weyl wurde am 7. Juni 1935 in Arnhem in den Niederlanden geboren. Ihrer Familie gehörte damals in Kleve das Kaufhaus Weyl, das während des Nationalsozialismus enteignet wurde. Heute kennen wir dieses Kaufhaus als Galeria Kaufhof. Als sie gerade mal 6 Jahre alt war, wurden sie und ihre Eltern in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Dort verbrachten sie mehr als drei Jahre. Über 100.000 jüdische Menschen wurden von dort in die Konzentrationslager deportiert; nur etwa 5000 überlebten. Heute lebt Eva Weyl in den Niederlanden, da es nur noch wenige Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt, besucht sie 80 bis 90 Schulen im Jahr, um dieses schreckliche Ereignis nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie nannte uns, die Schülerinnen und Schüler, ihre „Zweitzeugen“. Sie erzählte uns auch von einem kürzlich stattgefundenen Treffen mit einem weiteren Überlebenden, der zeitgleich mit ihr damals im Lager in Westerbork war. Bis vor kurzem hielt sie zudem Vorträge gemeinsam mit der Enkelin von Albert Konrad Gemmeker, dem einstigen Offizier und Kommandanten des Lagers Westerbork, der schuld an dem Tod vieler Jüdinnen und Juden war. Schon früher hat ihr Vater, der einst selbst Schüler des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums war, Vorträge gehalten, weshalb Eva Weyl dies gerne weiterführen wollte.

In späteren Unterhaltungen in unserer Klasse tauschten wir unsere Meinungen aus, die sich in vielen Punkten überschnitten. Viele fanden die Geschichten, die sie uns erzählte, auf der einen Seite sehr traurig, auf der anderen Seite aber auch sehr lehrreich. Durch Frau Weyls Perspektive der Geschehnisse haben wir viele neue Eindrücke gesammelt, die wir ohne ihren persönlichen Vortrag nicht hätten aufnehmen und reflektieren  können. „Wenn man euch etwas befiehlt und ihr daran zweifelt, dann lasst euer Herz sprechen.“ Mit diesen Worten gab sie uns etwas mit auf den Weg in die Zukunft.

 

Im Namen unser Schulgemeinschaft bedanken wir uns herzlich bei Frau Weyl für ihren Besuch sowie ihr Engagement und ihren unermüdlichen Einsatz „gegen das Vergessen“.

 

Von Mila, Carmen und Milla, 9c

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